No pain, no gain

Am 23.06.2017 fand (zum 8. mal) die STP Fachtagung Kanzleimanagement zum diesjährigen Thema „Legal Market 4.0„statt. Erstmalig wurde am Vorabend der Tagung der STP Innovation Award verliehen, den  LAWLIFT (Document Assembly Lösung), wenigermiete.de Mietright GmbH (Mietpreisbremse) und LeReTo KG (Legal Research Tool) gewannen.

Herausragender Vortrag auf dieser Veranstaltung (neben dem, wie immer, sehr guten und informativen Beitrag von Herrn Hartung zum Thema „Digitale Transformation und traditionelles Geschäftsmodell“) war meiner Ansicht nach die Präsentation von Herrn Dr. Pero Micic mit dem Titel „Wovon leben Sie morgen? Wie Sie Digitalisierung, Robotik, künstliche Intelligenz & Co. zu Ihren Chancen machen“.

Herr Micic erläuterte sehr anschaulich, warum der Mensch sich mit Veränderung meistens so wahnsinnig schwertut. Wir sind von Natur aus „grundprogrammiert“ das „Hier und jetzt“ zu „schätzen“ und setzen alles daran, die Verhältnisse der Gegenwart dauerhaft zu konservieren. Auf Veränderung reagieren wir reflexartig im besten Fall stoisch, meistens jedoch ablehnend. Diese „Grundeinstellung“ in unserem Denkschemata kann, nach den Ausführungen von Herrn Dr. Micic, mit bestimmten Methodiken „angepasst“ werden, so dass die (immer auch vorhandenen) Chancen einer jeder Veränderung für einen selbst erkannt und genützt werden können.

Was bedeuten diese Erkenntnisse nun für die Bewältigung der Herausforderungen, vor denen die bisherige Praxis der Rechtsberatung durch Legaltech steht?

Der Vortrag von Herrn Dr. Micic zeigte deutlich, dass nur dann erfolgreich die Chancen, die Legaltech bietet, ergriffen werden können, wenn man sich proaktiv der Thematik widmet.

Weder passives Abwarten noch ausschließlich auf Anforderungen der Mandantschaft zu reagieren wird genügen, um weiterhin erfolgreich im Rechtsberatungsmarkt bestehen zu können.

Wie kann nun ein erster proaktiver Schritt aussehen?

Neben der Umstellung des persönlichen „Mindsets“ sollte, wie auch auf der Tagung wiederholt von den Referenten vorgetragen, zu allererst die tägliche Arbeit in einzelne Prozessschritte eingeteilt und analysiert werden.

Für eine solche umfassende Tätigkeitsbeschreibung und -bewertung ist mehr als nur ein halbtägiger Workshop notwendig, vielmehr bedarf es einer mehrtägigen oder ggf. mehrwöchigen genauen Bestimmung und Klassifizierung der Tätigkeiten aller Kanzleimitarbeiter und Berufsträger. Auch sollte darauf geachtet werden, dass keine Arbeiten „unter den Tisch“ fallen, mit denen noch in der jüngsten Vergangenheit relevanter Umsatz erzielt wurde.

Nach dieser Erfassung der einzelnen Arbeitsschritte und Tätigkeiten einer Kanzleieinheit können die Prozesse in einem nächsten Schritt nun dahingehend kategorisiert werden, inwieweit diese durch den Einsatz von Software automatisiert, effizienter ausgestaltet oder gänzlich entfallen können.

Aber nicht nur für die Steigerung der Effizienz der internen Kanzleiabläufe ist die detaillierte Prozessanalyse als erster Schritt im Rahmen einer „Legaltech-Strategie“ notwendig, sondern auch, um das Beratungsangebot der Kanzlei unter dem Blickwinkel der neuen technologischen Möglichkeiten anzupassen und/oder zu erweitern.

Wagen Sie also die „Pain“, es lohnt sich.